Hase Benno hat Geburtstag
Es ist der längste Tag des Jahres, und ein Sonntag ist es auch noch, als ein vorwitziges Sonnenstäubchen sich direkt auf Bennos Nase setzt.
„Haaaatschi! Was war das?“
„Das war ein Sonnenstäubchen!
„Es hat dir zu deinem Geburtstag gratuliert“, sagt Mama Hase.
„Oh, woher weiß das Stäubchen denn, dass ich heute Geburtstag habe?“, fragt Benno.
„Das hat ihm der Wind erzählt!“
„Und woher weiß es der Wind?“
„Der kam gerade vorbei, als du geboren wurdest und hat dir dein Fellchen trocken gepustet, damit du schick bist, wenn die anderen kommen, um zu gratulieren.“
„Wer kommt denn da noch?“
Benno blinzelt Mama Hase schräg von unten an, und seine Ohren stehen wie zwei ,Herr-Lehrer-ich-weiß-was-Finger‘. Sie lauschen auf den Wind und die Antwort von Mama Hase:
„Lass dich überraschen! Mal sehen, wem der Wind davon erzählt hat.“
„Und wie macht man das, Geburtstag haben?“
„Man muss eigentlich gar nichts tun, nur warten und sich über die großen und kleinen Überraschungen freuen!“
„Das ist einfach, das mach ich!“, sagt Benno und wartet.
Etwas summt und brummt in der Luft. Benno legt schnell die Ohren an und duckt sich ganz dicht neben Mama Hase. Es summt lauter und Benno ist sich ganz sicher, gleich würde etwas Schlimmes passieren. Da hört er eine feine Stimme, die kichert und ihn beim Namen ruft.
„Hallo Benno! Ich möchte dir zum Geburtstag gratulieren!“
Benno sieht auf. Dicht vor seiner Nase sitzt ein schwarz-gelb gestreiftes Wesen, das hat gelbe Söckchen an.
„Bei der Wärme ziehst du Söckchen an?“
Das schwarz-gelb gestreifte Wesen kichert wieder.
Benno ist sauer:
„Das Wesen will mich veräppeln, und das an meinem Geburtstag!“
„Ich bin eine Biene, Benno. Wir Bienen sammeln, sobald sich die Blütenkelche öffnen, Blütenstaub und daraus machen wir dann Honig. Wenn du älter bist zeige ich dir, wie das geht. Da Häschen sich nichts aus Honig machen, schenke ich dir etwas anderes. Wann immer du Hilfe brauchst, ruf mich und ich werde dir mit meinen Schwestern zu Hilfe kommen“, sagt sie und war auch schon aus dem Blickfeld entschwunden.
Benno überlegt, was das Bienchen wohl gemeint haben könnte, aber ihm will nichts einfallen. Es ist auch keine Zeit, lange nachzudenken, denn es raschelt im Kraut, es schnuffelt und nuffelt, und Benno ist gespannt wie ein Flitzebogen. Er findet es aufregend, Geburtstag zu haben. Aber solange Mama Hase ruhig bleibt, gibt es wohl auch keinen Grund, sich Sorgen zu machen.
Vor Benno tauchen ein Näschen, borstlige Barthaare und schwarze Knopfaugen auf. Hinter den kleinen Ohren ragt ein dichter Kragen aus sehr spitzen Stacheln auf und das Wesen schnieft gewaltig.
„Hallo Benno! Alles Gute zum Geburtstag! Bleib gesund und munter und mach deiner Mami viel Freude! Schau, ich habe dir etwas ganz Besonderes mitgebracht, ein vierblättriges Kleeblatt. Es ist fast zu schade zum Aufessen. Aber das entscheidest du! Ich wünsch’ dir noch viele Gäste!“
Benno bedankt sich artig. Und schon schnuffelt und raschelt es wieder im Kraut und der seltsame Gast ist verschwunden. Er sieht Mama Hase fragend an.
„Das war Frau Igel. Sie hat drei kleine Babys zu Hause. Mit ihnen kannst du sicher bald spielen.“
„Au fein, gehen wir morgen vorbei?“
„Das geht nicht. Igel leben in einer Laubhöhle, und der Eingang ist viel zu schmal für uns. Warte nur ein Weilchen. Alles wird sein, wie es sein soll.“
Benno hat keine Zeit, über das Gesagte nachzudenken, denn es raschelt wieder im Kraut. Ein kleines, graues, sehr flinkes Wesen steht plötzlich vor Benno und keucht: „Alles Gute zum Geburtstag, Benno! Ich wünsche dir Gesundheit und immer flinke Beine. Hab’ dir etwas mitgebracht, eine Buchecker aus meiner Vorratskammer. Lass sie dir schmecken und einen schönen Tag noch!“
Schon ist das Wesen wieder verschwunden. Benno sieht auf.
„Das war Frau Maus. Sie ist immer in Eile. In ihrem Nest warten acht hungrige Mausekinder.“
Benno findet den Tag spannend. Etwas abseits steht eine alte Weide auf dem Feld und von dort kommt ein wunderschönes Lied.
„Der Baum kann singen!“, jubelt Benno.
„Nun, der Baum ist es nicht, aber wenn du genau hinschaust, siehst du auf dem untersten Ast einen Vogel. Siehst du ihn? Er trägt ein schwarzes Kleid!“
„Sehe ich, sehe ich. Wer ist das? Ist das Lied für mich?“
„Das ist die Amsel, und das Lied ist für dich. Da bin ich ganz sicher“, sagt Mama Hase.
Benno stellt die Ohren auf, schließt die Augen und lauscht. Das Lied hat viele Strophen. Es beginnt leise und gaukelt wie ein Schmetterling durch die Luft. Benno ist darüber eingeschlafen. Mama Hase lächelt.
„Es ist schon ein anstrengender Tag, so ein Geburtstag! Schlaf gut, Benno. Morgen kommen bestimmt noch mehr Gratulanten.“
...