HEIDERMÜHLENHANNA
Die Wienerin Gertrud Erbler zeichnet in der vorliegenden Romanbiografie mit teilweise recht einfühlender Akribie den schweren und gleichzeitig segensreichen Weg ihrer Großmutter nach, die, obwohl aus begüterter Familie stammend, die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges und der kargen Zeiten danach hautnah zu spüren bekam, dabei aber dennoch ihr Leben zu genießen wusste und im Lauf der Jahre zwölf Kindern das Leben schenkte. Der Leser, der zunächst von der spannenden Handlung der Familiengeschichte gepackt wird, erfährt gleichzeitig viele Details zu Bräuchen und Traditionen und vor allem über die politische und gesellschaftliche Entwicklung Österreichs während der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts bis unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Gelegentliche Parallelen zur heutigen Zeit drängen sich zuweilen förmlich auf. Somit stellt die Heidermühlenhanna unbedingt mehr als nur eine spannende Lektüre für Zeitreisenliebhaber dar und sei deutschen Lesern wärmstens empfohlen, während sie für Österreicher fast schon ein Muss ist.
Hanna, die vierzehnjährige Tochter des Sägemühlenbesitzers, Gutsherren und Bürgermeisters Maximilian Heider, saß diesmal nicht, wie sonst immer bei Ausfahrten, an der Seite ihres Vaters auf dem Kutschbock. Sie hatte sich auf die hintere Sitzbank zurückgezogen und das Faltdach darüber aufspannen lassen. Sie wollte nichts sehen von dem herrlichen Spätsommertag der zweiten Septemberwoche des Jahres 1902.
Was kümmerte sie die strahlende Sonne, die die Bergspitzen vergoldete, das leuchtende Gelb der Stoppelfelder, die Wiesen, wo da und dort schon die Herbstzeitlosen ihre zartvioletten Köpfe aus der Erde steckten, etwas früher als sonst? Sie saß teilnahmslos im Fond der Kutsche und wischte sich mit beiden Handrücken über ihre nassen Wangen. Noch immer sah sie die Tränen in den Augenwinkeln ihrer Mutter, und das bitterliche Weinen ihres sechsjährigen Bruders klang ihr noch in den Ohren. Das tat unheimlich weh.
„Nein, Hanna, nicht wegfahren, Hanna muss bei Josef bleiben, nein, Hanna, nicht!“, hatte er immer wieder gerufen, als er von Carla, seinem Kindermädchen, das ihre Eltern der Noblesse wegen ,Hausdame‘ nannten, gewaltsam von Hanna weg ins Haus gezerrt worden war. Hanna konnte Carla, die eine italienische Verwandte ihrer Mutter war, von Grund auf nicht ausstehen. Carla war meist mürrisch und hatte an allem, was Hanna tat, etwas auszusetzen. Was Hanna umgekehrt an ihr besonders verabscheute, war die grobe Behandlung des kleinen Josef.
Josef hatte eine Down-Syndrom-Behinderung, was auf Grund seiner Augenstellung leicht zu erkennen war. Landläufig wurden diese Menschen einfach als Idioten bezeichnet. Man schämte sich ihrer und versteckte sie, so gut es eben möglich war. Mit solchen Menschen wollte man besser nichts zu tun haben, sie waren nur eine Belastung. Schon allein ihr Anblick war für viele eine Zumutung.
Auch Hannas kleiner Bruder wurde als Schandfleck der Familie betrachtet und möglichst versteckt gehalten. Die Vierzehnjährige war stets Josefs wichtigste Bezugsperson gewesen. Sie wusste, wie sehr sie ihm und er ihr fehlen würde. Niemand außer ihr hatte je Interesse an dem Kind gezeigt. Trotz seiner Anhänglichkeit und seiner enormen Fähigkeit, die Liebe, die man ihm schenkte, bedingungslos um ein Vielfaches zu reflektieren und für jede Minute der Aufmerksamkeit dankbar zu sein, schämte sich ihr Vater für dieses Kind.
Carla, die eigentlich dafür eingestellt worden war, sich mit dem Sohn des Hauses zu beschäftigen, nahm diese Aufgabe aber nicht wirklich ernst. Josef, jetzt im Schulalter, sollte von Carla unterrichtet werden, doch das ging voll daneben. Jede Unterrichtseinheit endete damit, dass Carla schreiend und wütend aus dem Zimmer lief.
„Den Idioten soll der Teufel unterrichten! Was soll man so einem Kind beibringen? Das ist doch nur Zeitverschwendung!“, war ihr ständiges Geplärre. Aber was wussten die schon?
Hanna konnte diesem vernichtenden Urteil Carlas nicht beipflichten. Sie wusste, dass Josef bis zu einem gewissen Grad lernfähig war. Sie war es, die Josef immer die Liebe gab, nach der er sich so sehr sehnte, sie brachte die nötige Geduld auf, um seiner langsamen Auffassungsgabe gerecht zu werden. Es störte sie nie, wenn Josef hundertmal dieselbe Frage stellte. Irgendwann blieb dann doch etwas hängen. Aber jetzt, wo sie nicht mehr zu Hause war, was sollte aus ihrem Bruder werden? Sie wagte es gar nicht, sich das auszumalen.
Ihre Eltern hatten beschlossen, sie in ein Internat zu bringen. In das Institut für höhere Töchter !
Schon allein den Titel verabscheute sie, bevor sie diese Institution überhaupt kennengelernt hatte. Als der Name dieses Mädchenpensionats zum ersten Mal im Zusammenhang mit Hannas Weiterbildung erwähnt worden war, hatte das Mädchen wissen wollen, was denn „höhere Töchter“ seien.
„Das sind Mädchen aus gutem Haus, meist Adelige, die eine besondere Ausbildung bekommen, um sich in der guten Gesellschaft richtig zu benehmen. Und sie lernen alles Notwendige, um einem großen Haushalt vorstehen können“, bekam sie zur Antwort. Es half ihr nichts, dass sie immer wieder betonte, sie wolle lieber Lehrerin werden.
„Du bist die Erbin unseres Anwesens und der Sägemühle, also hast du das zu lernen, was du für diese Aufgabe brauchst. Basta!“
Hanna musste sich fügen, denn das Wort ihres despotischen Vaters war stets Gesetz. Maximilian, der hochgewachsene, kräftig
gebaute und gutaussehende Mann, war dreiundvierzig Jahre alt und der unumschränkte Herrscher seiner Besitztümer. Sein Wort war Gesetz, dem man bedingungslos Folge leisten musste. Auch als Bürgermeister verstand er es, immer wieder seine Meinung durchzusetzen, was ihm auch den Titel „Gemeindekaiser“ eingebracht hatte. Trotzdem war er sehr beliebt, denn er benahm sich großzügig seinen Arbeitern und Dienstboten gegenüber, weil er sehr darauf bedacht war, sein Ansehen hoch zu halten. Nur eine verstand es, ihn manchmal durch Diplomatie, List und Beharrlichkeit umzustimmen: Cäcilia, seine über alles geliebte Ehefrau. Sie war die Seele der großen Gemeinschaft aller auf dem Gutshof lebenden und arbeitenden Menschen. Für jeden hatte sie ein offenes Ohr und half, wo sie konnte.
Die um elf Jahre jüngere Frau des Gutsherrn fand fast immer einen Ausweg für die Probleme, die an sie herangetragen wurden. Ihre einfühlsame Art und das Verständnis, das sie den Menschen entgegenbrachte, waren einer der Gründe, weshalb Maximilian schon zum dritten Mal zum Bürgermeister gewählt worden war.
Hanna seufzte so laut, dass der Vater es trotz rollender Wagenräder und der Hufschläge der Pferde hörte.
„Was bedrückt dich denn, meine Prinzessin?“
Er wandte seinen Kopf ein wenig.
„Papa, Ihr wisst, dass ich es nicht mag, wenn Ihr mich Prinzessin nennt. Ich bin keine Prinzessin; und wäre ich wirklich Eure Prinzessin, dann hättet Ihr meinen Wunsch, Lehrerin zu werden, nicht verworfen.“
Es war ein verzweifelter letzter Versuch, den Vater doch noch umzustimmen. Der hörte wohl die Anspielungen, doch er begann, wie immer bei diesem Thema, die Argumente für die Wichtigkeit der Bildung der Schule für höhere Töchter aufzuzählen.
,Blablablabla‘, dachte Hanna, die die monotonen Erklärungen ihres Vaters nicht mehr hören konnte.
Und wie jedesmal am Ende einer solchen Predigt folgte: „Du bist noch viel zu jung, um selbst über dein späteres Leben bestimmen zu können.“
Auch diesen Ausspruch kannte sie zur Genüge. Anfangs hatte sie immer geantwortet: „Aber es ist doch mein Leben, Papa, nicht Eures.“
Das war gewöhnlich Anlass für Ärger, der nichts brachte als böse Worte.
„Eine Vierzehnjährige hat ihrem Vater nicht zu widersprechen“, war die stets wiederholte Zurechtweisung jedes sanften Auflehnens gegen die Diktatur des Vaters. Trotzdem gab es Hanna nie auf, sich zu wehren. Hartnäckigkeit war ihre Stärke, und manchmal schaffte sie es tatsächlich, sich durchzusetzen.
Diesmal aber schwieg sie, lehnte sich in die weichen Polster des Kutschenfonds zurück, schloss die Augen und versuchte, die traurigen Abschiedsbilder zu verdrängen.
Die Fahrt zur Landeshauptstadt Salzburg dauerte ungefähr zehn bis zwölf Stunden. Auf halbem Weg wurde bei Verwandten übernachtet.
„Wir sind da!“ Die Stimme des Vaters riss Hanna aus dem Halbschlaf.
Die Kutsche fuhr durch das große Tor der Klosteranlage und blieb nach wenigen Metern stehen. Maximilian sprang vom Kutschbock, befestigte die Zügel an einem dafür vorgesehenen Pfosten und half seiner Tochter beim Aussteigen.
„Wir haben heute eine ganze Stunde eingespart, ihr seid schnell gewesen“, sagte Maximilian befriedigt und tätschelte den Hals der Pferde. Dann hob er den übergroßen Koffer aus dem Gepäckkasten.
Hanna betrachtete unterdessen das langgestreckte, schmutzig gelbe, einstöckige Gebäude. Das sollte also jetzt für die nächsten zwei Jahre ihr Zuhause sein. Sehr einladend sah es bei Gott nicht aus. In der Mitte, über dem riesigen Torbogen, befand sich ein Relief, das die Schutzmantel-Muttergottes zeigte, mit einer Schar Kinder unter ihrem ausgebreiteten Mantel.
Die kleine Türe im rechten Teil des Tores öffnete sich. Eine Nonne stieg die wenigen Stufen zum Hof hinunter und kam Hanna mit ausgestreckten Armen entgegen.
„Grüß Gott und willkommen!“, rief sie schon von weitem.
Das Mädchen hatte nicht das Gefühl, dass die Begrüßung besonders herzlich war. Sie klang nach Routine. Als sich ihr dann auch noch eine weiße, schmale Hand entgegenstreckte, die ihre Hand umschloss, fröstelte es sie. Da war nichts Warmes, nichts Einladendes, nichts fühlbar Freundliches.
„Mein Name ist Franz Sales. Und Ihr seid Johanna, wie man mir berichtet hat.“
Maximilian packte den Koffer und trug ihn zum Klostereingang.
„Nun wird es ernst mit dem Abschiednehmen, Johanna“, forderte die Nonne sie in einem unangenehm strengen Ton auf.
Hanna bemerkte, wie die Frau, deren Alter nicht feststellbar war, dabei versuchte, den Mund zu einem mitfühlenden Lächeln zu verziehen. ,Wie ein Gnom sieht sie jetzt aus‘, dachte das Mädchen.
Zum ersten Mal in ihrem Leben bemerkte Hanna eine Art liebevoller Gefühlsbewegung seitens ihres Vaters, als dieser sie umarmte und fest an sich drückte. Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust.
„Mach es gut, Prinzessin! Mach mir keine Schande“, flüsterte er ihr ins Ohr.
Hanna hatte andere Abschiedsworte erwartet. Sie hätte gerne gehört, dass er ihr Mut zuspräche für den Neuanfang, guten Schul-erfolg und rasches Einleben. Ein „Du wirst mir fehlen!“, das hätte sie sich ersehnt. Seine Gedanken waren aber anscheinend nur darauf ausgerichtet, ihm keine Schande zu machen.
Enttäuscht flüsterte sie: „Papa, ich werde euch alle so sehr vermissen!“
Maximilian hörte diese Worte nicht mehr. Er hatte sich so rasch abgewendet, als würde er sich seines Seufzers schämen. Er eilte zur Kutsche, schwang sich auf den Kutschbock, schnalzte, erhob die Peitsche und verließ den Klosterhof.
Hanna hatte gehofft, dass er sich noch einmal umsehen würde. Sie schaute der Kutsche nach, bis diese durch das Eingangstor verschwunden war, und es war ihr zum Heulen zumute.
„Wenn Ihr mir nun folgen wollt, junge Dame!“, drängte die Nonne. ,Wollen ist gut gesagt‘, dachte Hanna. Aber es blieb ihr nichts anderes übrig.
„Meine Damen, darf ich Euch Johanna Heider vorstellen?“, rief Schwester Franz Sales in den Saal. Dabei schob sie Hanna in den Aufenthalts- und Speiseraum, wo die Zöglinge gerade beim Mittagessen saßen.
Von einer Sekunde zur anderen verstummte das Besteckgeklapper, das Geflüster und das Geplapper. Vierundzwanzig Augenpaare wandten sich fast gleichzeitig den Eintretenden zu und taxierten die Neue.
Hanna wäre am liebsten im Erdboden versunken, so unangenehm war ihr das. Die mehrheitlich sehr abschätzigen Blicke weckten in ihr ein Gefühl des Unbehagens. Sie stand kerzengerade und blickte mit einer Mischung aus gespieltem Stolz und Überheblichkeit tapfer in die Runde.
„Johanna? Ist das dein einziger Vorname?“ Die neugierigen Gesichter im Raum begannen zu grinsen und ein Kichern ging durch den Saal.
Hanna sah die Fragende verwundert an. Ein hübsches Mädchen mit langen, tiefschwarzen und gelockten Haaren blickte sie forsch an und wartete auf eine Antwort.
„Sollte ich mehr haben?“, konterte Hanna und versuchte dabei, mit einem möglichst gleichgültigen Gesichtsausdruck ihr Gegenüber zu verunsichern. Obwohl sie nicht verstand, worauf die Frage abzielte, versuchte sie kühl und überlegen auszusehen. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass das im Moment das Beste war. Wieder gab es Gekicher, ein Zusammenstecken der Köpfe und Getuschel.
Nur ein Mädchen, dass etwas abseits saß, fand die ganze Situation anscheinend nicht so lustig. Es hatte den Kopf gesenkt.
„Nun, bis auf eine haben hier alle mindestens zwei, aber meist mehrere Vornamen“, antwortete das Mädchen mit den Ebenholzhaaren und blickte dabei stolz in die Runde ihrer Bewunderinnen, die alle nickten. Bis auf das Mädchen, dass alleine saß.
„Schön für euch!“ Hanna verstand sofort, dass dieses Fragespiel eigentlich mehr ein Duell als ein gegenseitiges Kennenlernen war.
Sie erwiderte den harten Blick des Mädchens und sagte bestimmt: „Mir genügt ein Vorname. Ich wüsste nicht, wozu mehrere Vornamen gut sein sollten. Aber wenn dich deine möglicherweise vielen Vornamen glücklich machen, dann soll’s mir nur recht sein! Viel Spaß damit!“
Die Blicke in den aufgerissenen Augen der Anwesenden wanderten von Hanna zu deren Kontrahentin und wieder zurück. Es war so leise, dass Hanna ihren eigenen Atem hören konnte. Für sie war dieses leidige Thema damit abgeschlossen, und sie hätte sich gerne irgendwohin zurückgezogen. Aber das Verhör wurde weitergeführt.
„Hast du keinen Titel?“ Diese Frage klang irgendwie feindselig.
„Was meinst du mit Titel?“
Das Gespräch und dieses Mädchen begannen Hanna zu nerven.
„Du meine Güte, bist du begriffsstutzig. Bist du eine Prinzessin, Baronesse oder Komtesse oder zumindest eine Edle VON?“
„Nein, keines von allem, ich bin die Hanna und basta.“
„Schade, denn der Mensch fängt eigentlich erst beim VON an“, bekundete das Mädchen mit den Ebenholzhaaren und schaute triumphierend in die Runde.
Schwester Franz Sales, die bisher ungerührt zugehört hatte, ergriff das Wort:
„Jetzt ist es aber genug, Komtesse Ilona! Ihr habt Euren Spaß gehabt. Beendet jetzt alle eure Mahlzeit! Los, los! Kein Herumtrödeln!“
Hanna ignorierte die Meldung der Ordensfrau und platzte heraus: „Oh, verzeiht, Komtesse Ilona mit den vielen Vornamen! Natürlich, ich verstehe. Nur ein VON macht einen zum Menschen. Wie lautet Ihr wertes VON? Komtesse Ilona von Sinnen? Oder vielleicht sogar Ilona VON und ZU Besserwisserin? Es tut mir leid, dass ich mit so einem tollen Titel nicht dienen kann, Komtesse Ilona. Und ich verrate Euch nun ein Geheimnis: So ein VON interessiert mich nicht die Bohne. Und wie man an Euch, Komtesse Ilona von Sinnen, bestens sehen kann, macht ein VON einen Menschen weder besser noch klüger. Da gehört schon mehr dazu als viele Vornamen und drei Buchstaben.“
Hanna hatte bewusst wieder das förmliche Euch verwendet. Fassungslose Gesichter, aufgerissene Augen und Münder, das blanke Entsetzen hatte sich im Speisesaal breitgemacht. Hannas Herausforderin war bleich im Gesicht. Noch nie war sie so bloßgestellt worden. Sie begann vor Wut zu zittern. Nie hatte auch nur eines der Mädchen gewagt, so mit ihr zu sprechen. Hanna beobachtete mit Genugtu-ung, wie sich Ilonas schmale Lippen in Sekundenabständen immer wieder kurz zu einem kleinen o formten, während sie Luft holte, als versuchte sie, etwas zu entgegnen. Nur kam da nichts!
Unwillkürlich musste Hanna an den großen Karpfen in ihrem Fischteich zu Hause denken, wenn der Karpfen nach Insekten schnappte. Sie stellte sich den Karpfen mit Ilonas lockigem Haar vor und musste grinsen. Nur Schwester Franz Sales’ rasches Eingreifen verhinderte einen Wutausbruch der Komtesse. Mit einer pädagogischen Taktik versuchte sie die beiden Kampfhähne zur Zusammenarbeit zu bringen.
„Nun, die beiden Damen werden wohl oder übel lernen müssen, miteinander auszukommen. Und wir werden gleich damit beginnen!“
Die Ordensfrau wies Hanna den freien Platz neben Ilona an.
„Komtesse Ilona kann Euch dann auch gleich in unsere Hausordnung einführen und Euch die Räumlichkeiten zeigen.“
Leider ging diese Taktik voll daneben.
Hanna hatte nicht die Absicht, neben Ilona zu sitzen. Sie schob den Sessel einfach zum anderen Tischende, wo dieses schrecklich traurig wirkende Mädchen saß, das Hanna vorher schon aufgefallen war. Dort ließ sie sich mit triumphierendem Gesichtsausdruck nieder.
„Na bitte“, ätzte Ilona laut, „was kann man von einer Vonlosen auch anderes erwarten? Mit so einer will ich nichts zu tun haben.“
Zustimmendes Gemurmel belohnte die Aussage der jungen Adeligen. Nur das Mädchen neben Hanna hielt den Blick gesenkt, so, als ob es sich wegen irgendetwas schämen müsste. Es schaute nur kurz auf, um sich zu vergewissern, dass keine der Mitschülerinnen ihre Tränen sah, die sie schnell mit dem Ärmel von ihren Wangen gewischt hatte. Dann starrte sie wieder auf den Boden.
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