DIE MACHT DER VERBORGENEN STIMME
Zeit der Handlung – die denkwürdigen Jahre 2021 und 2022, in denen der Wahnsinn der vermeintlichen Corona-Pandemie seinen Höhepunkt erreicht und schließlich allmählich abflaut. Menschen stehen an den Scheidewegen ihres Lebens, müssen zwischen Mut und Feigheit wählen und erkennen, dass ihre gewohnte Welt keineswegs das ist, was sie von ihr glaubten. So mancher erhofft sich im Ausland Ruhe und Frieden, all das, was er zu Hause nicht mehr zu finden meint. Und auf der Suche nach neuen Wegen aus dem Chaos leuchtet eine heiße Spur auf: DIE MACHT DER VERBORGENEN STIMME. Buchwalds dritter apokalyptischer Roman versucht, ein Kaleidoskop zahlreicher erschütternder und nicht selten irrationaler Erfahrungen zusammenzustellen, die überraschend verknüpft werden und den Wandel zum neuen Paradigma begleite(te)n, speziell in Sachsen, Brandenburg, Ungarn und auf einigen Nebenschauplätzen. Dabei dokumentiert er größtenteils authentische Vorgänge, die uns allen aus mancherlei Gründen im Gedächtnis bleiben sollten.
Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden. Man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in euch.
Neues Testament, Lukas 17, 21 – Luther-Übers.
Prolog: Ende des Exils
Der Untergang der gewohnten und sogenannten westlichen Welt kündigte sich im März des Jahres Zweitausendzwanzig mit einer gesellschaftlichen Schockstarre an, die jedoch nicht bei allen gleichzeitig einsetzte. Wer sich daran gewöhnt hatte, seinem Fernseher zu glauben, nahm die ersten Ausnahmeregelungen beinahe als selbstverständlich hin, so, als handele es sich um den Wetterbericht oder die Lottozahlen. Eine Krankheit ging um, vor der man sich allemal schützen konnte, indem man Abstände einhielt, auf eingespielte Berührungen, wie etwa Handschläge, verzichtete, in die Achselhöhle nieste … Nach einigen Wochen würde die Aufregung vorüber sein und von anderen Themen abgelöst werden. Wer bei jeder kleinen Unregelmäßigkeit einen übelwollenden Sinn der Verantwortlichen vermutete, musste sich fragen lassen, ob er die Welt und das Leben nicht insgesamt durch eine pessimistische Brille betrachtete. Denn im Grunde war noch immer alles gut.
Wer vermochte schon zu ahnen, was folgen sollte, wer hätte Einblick in die Hintergründe der merkwürdigen Pandemie-Ausrufung gehabt? Nicht nur der, der zuviel weiß, lebt gefährlich, sondern auch der, der zu viel wissen will.
Nervensägen gab es von Anfang an, Leute, die behaupteten, sie könnten den Lauf der Dinge vorhersehen. Sie verständen die geheime Absicht derer, die ihn steuerten. Aus ihrer Sicht sei es deshalb nicht nur besser, ungehorsam zu sein, sondern geradezu überlebensnotwendig.
„Verschwörungstheoretiker“ oder „Aluhut-Träger“ waren harmlose Bezeichnungen für die Lästigen, die an die geheime Angst in den Gemütern der Menschen rührten, die ihre alten, tief unter der Haut verborgenen Wunden öffneten und gnadenlos darin herumrührten. Wer irgend konnte, ging diesen Schwurblern aus dem Wege, mied sie und beschimpfte sie auch ganz gern. Es war nicht auszudenken, was geschähe, wenn sie auch nur ansatzweise recht behielten …
Eine letzte Sicherheit boten die eigenen vier Wände. Dort konnte man in Ruhe und Frieden der Dinge harren, die da kommen sollten. Und das ewig währende Geschwätz der Fernsehsprecher nährte in ihren Zuhörern die vage Hoffnung, das Leben werde nach einer Art Atempause gewohnheitsgemäß weitergehen.
Es dauerte jedoch nicht lange, bis die Obrigkeiten frecher vorgingen, drohender und offensiver. Sie taten, was sie konnten, um größtmögliche Panik zu säen. Die Pandemie sei gefährlicher als alle anderen je vorher, tönten sie, man müsse sich unbedingt vor ihr schützen. Zunächst solle man auf Abstand zu seinem Nächsten gehen, um diesen nicht anzustecken. Man könne schließlich nicht wissen, wieviel Krankheitskeime in einem selbst bereits herangereift seien. Eine Maske müsse man über Mund und Nase ziehen, wenn man einkaufen gehe oder im Bus fahre, das schütze einen selbst zwar nur ungenügend, dafür aber alle anderen ringsum. In der Verpackungsbeschreibung eines solchen Utensils stand allerdings der Satz, es sei nicht dazu geeignet, vor den Auswirkungen der Pandemie zu bewahren, eine Behauptung, die ihre Leser mahnte, Schein und Sein zu überprüfen. Wer ein solches Atemsieb aber erst einmal gekauft hatte, zog es vor, dergleichen Hinweise großzügig zu übersehen. Was brachte es schon, dagegen aufzubegehren? Wenn man sich an die Anweisungen hielt, war man allemal ein guter Mensch und leistete einen besonderen Beitrag zur innergesellschaftlichen Solidarität. In schwierigen Zeiten musste jedermann Opfer bringen, da führte kein Weg daran vorbei.
Man solle sich immer wieder testen lassen, hieß es, unter Umständen mehrmals am Tag. Der Test könne erweisen, ob jemand gefährlich und ansteckend krank sei oder eben nicht. Dabei wurden lange Stäbchen tief in die Nase geschoben, bis es schmerzte und verletzte Stellen gelegentlich bluteten. Die Einbildung, verantwortlich gehandelt zu haben, tröstete die Dulder über das Übel, das sie ihren Körpern zumuteten, die Krankheiten, die sie daraufhin durchmachen mussten und die zuweilen wochenlange Gefangenschaft in ihren Wohnungen, der man den wichtig und nach Wissenschaft klingenden Namen „Quarantäne“ gab.
So vereinzelten und vereinsamten Unzählige in blindem Gehorsam. Und da sie nicht wussten, was der morgige Tag bringen mochte und ob man ihnen nunmehr den Rest ihres Lebens rauben würde, ließ die Angst sie boshaft und unleidlich werden und wie die Furien über diejenigen herfallen, die den Wahnsinn durchschauten und ihm die Folgschaft verweigerten, von denen abgesehen, die sich aus Gesundheitsgründen nicht maskierten.
Die Menge der Mutigen war keineswegs unbedeutend und wuchs stark an. Bald war es kaum noch möglich, sie zu übersehen. Diejenigen, deren Gedanken bislang niemand hatte einfangen können und die zudem auf ihr Bauchgefühl achteten, schlossen sich ihr an. Eigenwillig widersprachen sie der unsäglichen Propaganda, liefen stur und konsequent nackten Gesichts umher und legten sich mit Geschäftsinhabern, Busfahrern, Lokalbetreibern, Ordnungskräften und Polizisten an. Beharrlich bestanden sie darauf, dass Freiheit ein übergeordneter Wert sei, dass man gesunde Menschen nicht unter den Generalverdacht einer Ansteckungsgefahr stellen dürfe, dass die befohlenen Masken krank machten, statt ihre Träger zu schützen, und dass die Tests nichts aussagten. Niemand dürfe mündige Staatsbürger bevormunden und diese zu einem Übel nötigen, schließlich lebe man in einer Demokratie …
Das dumpfe und wirklichkeitsfremde Vertrauen, das die Mehrheit der Bevölkerung ihren Politikern und führenden Journalisten bislang entgegengebracht hatte, bröckelte. Die Vielfalt der Meinungen und Angebote wurde vehement geleugnet, bis niemand sie mehr wahrzunehmen vermochte. Wer Gedanken äußerte, die dem offiziell verkündeten Weltbild, nunmehr der Idee der täglich, ja stündlich, beschworenen Pandemie, widersprachen, wurde als „rechtsextrem“ gebrandmarkt, galt somit als „Nazi“, im gnädigsten Fall als „Querdenker“. Da ein verbreitetes Schuldgefühl den Verblendeten noch immer im Nacken saß und die unselige Erinnerung an den gescheiterten GröFaZ*1 und dessen Partei wachgehalten wurde, fühlten sie sich durch dergleichen Schimpfworte getroffen und empfanden sie wie Peitschenhiebe. Wer das Stigma indessen unbekümmert riskierte, galt vielen, die ihn kannten, von einem Tag zum anderen als abgrundtief Böser und setzte nicht selten Arbeitsstelle und Freundeskreis auf’s Spiel. Die eigene Haut und Existenz der an allen Ecken und Enden ausgerufenen Hexenjagd auszusetzen, hielten die fernsehgewohnten Alltagsgemüter keineswegs für erstrebenswert.
Die Verächter der Pandemie-Religion blieben unüberwindlich. Sie zeigten Gesicht im wahrsten Sinne des Wortes, betraten die Lebensmittelgeschäfte frech und ohne jeglichen Maulkorb und nahmen in diesem verbotenen Aufzug in Bussen und Bahnwaggons Platz. Dort hielten sie sich so lange auf, bis sie entweder hinausgeworfen wurden oder einen Bußgeldbescheid hinnehmen mussten; oftmals geschah beides. Dieses ihr Los trugen sie geduldig, wenn auch oftmals mit der geballten Faust in der Hosentasche und nicht völlig ohne Widerspruch. Denn auf den Schreibtischen der Juristen türmten sich die Akten der unerledigten Verfahren, bei denen es sich größtenteils um unberechtigt geforderte Strafgelder handelte.
Nicht jeder der Verweigerer war eine Kämpfernatur. Viele verlegten sich darauf, ihre Einkäufe über das Internet zu tätigen. Vordem hatten sie es verachtet, nun aber bot es eine großartige Ausweichmöglichkeit. So mancher ließ sich überhaupt nicht mehr auf der Straße sehen, traf nur noch mit den engsten Freunden zusammen und zog sich buchstäblich in seine vier Wände zurück. Nicht wenige Gaststätten und Veranstaltungshäuser meldeten im Laufe der Zeit Insolvenz an, das hektische Leben der Großstädte kam, mit geringer Aussicht auf Neubelebung, fast völlig zum Erliegen.
Im Osten des Landes lebte jedoch die Erinnerung an die Gefangenschaft der vierzig Jahre, die abzustreifen man einst angetreten war. Und deshalb begannen die Menschen dort, spazieren zu gehen, vorzugweise montags einander zu treffen, um gemeinsam für ein schnelles Ende der immer schwerer erträglichen Zustände einzutreten. Eine fest geplante Demonstration hätte angemeldet werden müssen, ein Spaziergang aber blieb noch immer das freie Recht eines jeden, der sich spontan dazu entschloss. Die Rufe nach einer Revolution wurden lauter und waren kaum noch zu überhören.
Indem sie einander auf diese Weise immer häufiger begegneten, erkannten die Mutigen und Kritischen, wie viele sie waren. Das verlieh ihnen Rückenwind und neue Kraft, ließ Repressalien und Schwierigkeiten für kurze Zeit vergessen. Und mit ihrer Beharrlichkeit steckten sie allmählich auch ihre Landsleute im Westen an.
Die Fronten verhärteten sich. Das Volk, das dreißig Jahre zuvor von beiden Seiten aus geholfen hatte, eine schwer überwindliche Mauer und einen blutigen Stacheldrahtzaun zu Fall zu bringen, konnte die Wand nicht mehr ignorieren, die es seit jenen Tagen im eigenen Inneren errichtet hatte. Somit standen nun diejenigen, die ihre Regierung sowie deren Fernsehsprecher und Kolumnenschreiber verteidigten, denen gegenüber, die sich gegen die vermeintlich demokratisch gewählten Oberhäupter auflehnten und diesen vorwarfen, wiederum eine Diktatur errichten zu wollen. Und aus den Reihen der Aufmüpfigen erwuchsen die neuen Visionäre, die längst begonnen hatten, die Eigenschaften und Möglichkeiten eines wahrhaft freien Menschen zu erträumen.
Die festgefügten Staaten- und Militärbündnisse bröckelten, die Banken schrieben rote Zahlen. Leitungspersönlichkeiten, Vorstände und Bürgermeister traten zurück oder nahmen sich das Leben. Schlimme Geschichten machten die Runde, denen gleichzeitig widersprochen wurde. Bald wusste kaum noch jemand, welche der mehr oder weniger offiziellen Meldungen der Wahrheit entsprach und welche glatt gelogen war. Selbst die Gottesgläubigen, die ihr Leben lang eine Kirche besucht und darin Halt und Geborgenheit gefunden hatten, stellten bestürzt fest, dass ihre Ikonen und geistlichen Würdenträger das Vermächtnis des Nazareners verrieten und ihrerseits oftmals unmaskierten und ungetesteten Menschen verwehrten, die Gotteshäuser zu betreten.
Wohin man schaute, schwanden Sicherheiten, zerstörte das bislang Verlässliche sich selbst. Die Gehorsamen duckten sich, wie man es ihnen eingetrichtert hatte und wie sie es ihr Leben lang gewohnt waren, während alle anderen fast verzweifelt nach Wahrheiten suchten, deren Halbwertzeit über wenige Wochen hinausreichte.
Als selbst Schulkinder unter die Masken gezwungen wurden und die Kleinen im Kindergarten auf Abstände achten sollten, hoffte so mancher auf den Zorn der Eltern und bildete sich ein, das Ende der Fahnenstange sei endlich erreicht. Doch nur, wer seine Sprösslinge mehr liebte, als er die Obrigkeit fürchtete, bewahrte diese vor dem Übel und unterrichtete sie selbst. Schulen verkamen zu Testzentren, in denen man anscheinend herausbekommen wollte, wieviel Sauerstoffentzug die Heranwachsenden aushalten könnten. Bislang freundliche und umgängliche Lehrer verwandelten sich in unerbittliche Despoten, während, wer über ein Mindestmaß an Selbstachtung verfügte, der Brotgeberin Schule den Rücken kehrte.
Der Irrwitz steigerte sich weiter. Bald kam er mit einer beispiellosen Impfkampagne daher, einer aufdringlichen und lästigen Werbung um die freiwillige Zustimmung potenzieller Patienten zu ihrem leicht möglichen Todesurteil. Namhafte Professoren, deren Gewissen es nicht zuließ, in die letzte Konsequenz des Übels einzuwilligen, warnten, dass es sehr sicher ein solches sei, doch gegen das Dauerfeuer der Fernsehsender und Zeitungen kam nicht einmal das aufrüttelnde Buch eines bestens ausgebildeten und liebevollen Arztes aus Thailand an, das sich über viele Wochen an den Spitzen der Bestsellerlisten hielt.
Sieht so der Weltuntergang aus?, dachte so mancher gläubige Christ. Handelte es sich um das Erscheinen der Angst und Finsternis verbreitenden Macht, die vor Jahrhunderten schon der nach Patmos verbannte Prophet2 vorhergesagt hatte, indem er ein Tier beschrieb, welches aus dem Abgrund stieg und den gesamten Erdkreis in furchtsames Erstaunen versetzte? Unbedarfte Bibelleser mühten sich, die rätselvollen Texte des letzten Buches des Neuen Testaments zu verstehen, die Kapitel, die sich darin über die Tage des nahen Weltendes fanden, und an denen sich ganze Generationen von Theologen förmlich die Zähne ausgebissen hatten. Der Äon, innerhalb dessen all das Verhängnisvolle geschehen sollte, war das unmittelbare Jetzt und keineswegs die ferne Zukunft, und wer die Zeichen nicht erkannte, verfehlte das Reich Gottes.
Einen gewaltigen Zulauf verzeichneten die Unheilspropheten. „Es wird schlimmer kommen, noch viel schlimmer“, versprachen sie, und ihre Zuhörer nickten einsichtig. Sie erlebten die Übel tagtäglich, es erforderte keine Mühe, sich auszumalen, wie sich die Finsternis noch raumgreifender entfalten würde. Was sie sich vorstellten, machte sie verzagt, so sehr, dass viele von ihnen die Lust am Leben verloren. Vielleicht lag es darin begründet, dass es so manchem nicht als die schlechteste Wahl erschien, sich mehrmals impfen zu lassen, geradezu in der dringenden Hoffnung, die Ketzer hätten recht mit ihrer Warnung, die Spritze werde den Tod einladen. „Augen zu und durch!“, ermunterten sie einander, oder: „Bringen wir’s hinter uns!“
Auf diese Weise schieden sich von nun an die Geister. Wer keinen Sinn in seinem Dasein mehr sah, stellte die Weichen in die Richtung seiner Sehnsucht, ging unbeirrt seinem Tod entgegen. Wer aber ahnte, dass er weit mehr war als ein aus einer zufälligen Naturlaune entstandener, beweglicher Fleischklumpen mit den Grundtalenten des Essens, Trinkens und Kopulierens, begann die Welt eingehender zu beobachten. Und wünschte sich, an einer neuen mitbauen zu dürfen.
Der rechtschaffene Zimmermann Bolek Henzel aus Memmingen saß tief erschüttert und betrübt über einem Schreiben, das er soeben aus seinem Briefkasten gezogen hatte. Höchstwahrscheinlich würde er sowieso nichts am Lauf der Dinge ändern können, aber wie sollte er den wahrlich unerwarteten Schicksalsschlag seiner Frau Yvette schonend beibringen? Die Ärmste war noch nicht von ihrer Einkaufstour zurück und wusste von gar nichts.
Der Vermieter hatte dem Paar die Wohnung gekündigt. Eigenbedarf. Immerhin ließ er ihnen ganze sechs Monate Kündigungsfrist, auf den ersten Blick also genügend Zeit, um eine neue Bleibe zu finden und den Umzug zu organisieren. Das aber musste in Anbetracht aller Umstände mitten im Ausnahmezustand geschehen, unter äußerst erschwerten Bedingungen. Bislang hatten sie beide noch nie eine Maske über ihr Gesicht gezogen und waren fest entschlossen, das auch künftig nie und nirgends zu tun. Zumindest nicht, um einer Lüge Gehorsam zu leisten, die viel zu viele Leute allzu bereitwillig schluckten. Die Wohnungssuche in Bayern versprach zu einer Herausforderung zu werden, die das bisherige Leiden des Paares unter den unsinnigen Hygieneauflagen weit in den Schatten stellte.
Damit aber noch nicht genug. Bolek war verunsichert. Es kam ihm so vor, als habe er sich auf seinem Weg verirrt, während die Hoffnung, trotz allem wieder die Richtung zu finden, die er einschlagen musste, um seine Selbstsicherheit zurückzugewinnen, mit dem verhängnisvollen Brief seines Vermieters erheblich gesunken war. Warum geschah ihnen beiden so etwas, warum gerade jetzt? Genügte es nicht, dass jeder Einkauf zum Spießrutenlauf geworden war, bei dem einem die Außenwelt das Gefühl aufdrängte, man sei schwerkriminell und eine Last für die Gesellschaft? Wenn es sich irgend einrichten ließ, gingen Yvette und er zusammen, wenn etwas zu erledigen war, um sich ein wenig stärker zu fühlen. Am schlimmsten waren die Supermärkte, die sie nach Möglichkeit mieden, aber die meisten der kleineren Händler spielten sich zuweilen ebenfalls auf, als seien sie Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Gewöhnlich beriefen sie sich darauf, dass man ihnen das Geschäft schließen werde, wenn sie Kunden abfertigten, die sich nicht an die unsäglichen Vorschriften hielten. In diesen Zeiten brauchte es eine gehörige Menge Mut, um den Alltag zu bewältigen und gleichzeitig zu sich selbst zu stehen, und wie sich zeigte, war das ein Elixier, an dem zumindest in diesem Teil des Landes ein gewaltiger Mangel herrschte.
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